Am dritten Wochenende im Juli war es wieder soweit: Die Elite des Seitenwagen-Motocross-Sports traf sich auf dem „Sattel“ in Straßbessenbach zum nächsten Grand Prix im Kampf um wichtige WM-Punkte. Auf der Naturstrecke des MSC Straßbessenbach konnte der Deutsche Tim Prümmer gemeinsam mit seinem Beifahrer Patrick Schneider aus Österreich vor beeindruckender Zuschauerkulisse den ersten deutschen Sieg in Straßbessenbach seit 30 Jahren feiern.
Nach einem packenden Qualifikationstag am Samstag ging es nach dem Warm-Up am Sonntagmorgen mit den beiden Rennen los. Mit einem raketenhaften Startmanöver sicherten sich Tim Prümmer/Patrick Schneider den Holeshot im ersten Rennen und übernahmen sensationell die Führung. Ihnen folgten Tim und Sem Leferink sowie Killian und Evan Prunier. Auf Rang vier lagen Guennady Auvray und Jarno Steegmans, dicht gefolgt von Davy Sanders/Jens Vincent sowie den Zwillingen Lielbardis. Für Vanluchene/van den Bogaart verlief der Start hingegen alles andere als optimal. Sie fanden sich nach der ersten Runde nur etwa auf dem achten Platz wieder.
Ähnlich erging es den britischen Teams. Brett Wilkinson/Joe Millard erwischten einen katastrophalen Start. Sie kämpften sich später immerhin bis auf Rang elf nach vorne, einen Platz vor Dan Foden und zwei Positionen hinter dem amtierenden Champion Koen Hermans.
Etwa zur Rennhalbzeit gelang es Prunier nach mehreren Angriffen schließlich, Leferink zu überholen und auf den zweiten Platz vorzurücken. Von da an richtete sich sein Blick fest auf Prummer/Schneider, die ihrem zweiten Grand-Prix-Rennsieg entgegenfuhren und keinesfalls bereit waren, diesen aus der Hand zu geben.
An der Spitze sorgte der Kampf zwischen den ersten drei Teams dafür, dass sie sich vom Rest des Feldes absetzen konnten. Während des gesamten Rennens lagen sie nie mehr als fünf Sekunden auseinander. Dahinter arbeitete sich Vanluchene kontinuierlich nach vorne. Nachdem er die Lielbardis-Zwillinge und Davy Sanders hinter sich gelassen hatte, stand er kurz davor, Auvray/Steegmans anzugreifen, als es auf einer Bergabpassage offenbar zu einem technischen Problem kam. Dadurch verlor er Tempo und etwa vier Positionen, sodass die Aufholjagd praktisch von vorne begann.
Ganz im Stil eines Champions blieb er jedoch konzentriert bei seiner Aufgabe. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die ersten drei Teams bereits rund zwanzig Sekunden vom Viertplatzierten abgesetzt. Diesen vierten Platz sicherte sich Marvin schließlich in der Schlussphase des Rennens. Näher kam er jedoch nicht mehr heran und musste diesbezüglich die Niederlage eingestehen. Auch Prunier fand keine weiteren Reserven. Sein Angriff auf Spitzenreiter Prummer verlor gegen Rennende zunehmend an Dynamik.
Der Sieg war ein süßer Erfolg für den Deutschen, der im Interview nach dem Rennen erklärte, nun auch den Doppelsieg anzupeilen. Prunier konnte einige Punkte von Marvins Vorsprung in der Gesamtwertung abknabbern und hatte seinerseits den Sieg im zweiten Rennen fest im Visier.
Im zweiten Rennen erwischten Marvin Vanluchene und Beifahrer Glenn van den Bogaart den perfekten Start und übernahmen sofort die Führung vor Tim Prümmer/Patrick Schneider und den Leferink-Brüdern. An dieser Reihenfolge an der Spitze änderte sich bis ins Ziel nichts mehr.
Während die führenden Teams unbeirrt ihr Tempo gingen, mussten sich die Prunier-Brüder nach einem misslungenen Start zunächst aus dem Mittelfeld nach vorne kämpfen. Trotz einer starken Aufholjagd und mehrerer Überholmanöver reichte es am Ende nur für Platz vier.
Auch die Briten Brett Wilkinson/Joe Millard sowie Titelverteidiger Koen Hermans verloren am Start wertvolle Positionen. Wilkinson kämpfte sich noch auf Rang sechs vor, Hermans belegte nach einer starken Aufholjagd Platz neun. Dan Foden und Noah Weinmann sicherten sich einen beachtlichen fünften Platz.
An der Spitze waren Vanluchene und van den Bogaart erneut eine Klasse für sich und fuhren souverän zu ihrem neunten Saisonsieg, wodurch sie ihre Führung in der Meisterschaft weiter ausbauen konnten.

Der Tagessieg ging jedoch an die deutschen Lokalmatadoren Tim Prümmer und Patrick Schneider. Nach ihrem beeindruckenden Sieg im ersten Lauf genügte ihnen Platz zwei im zweiten Rennen, um sich vor heimischem Publikum den Gesamtsieg des Grand-Prix-Wochenendes zu sichern.
Auch im Rahmenprogramm stand für die Zuschauer jede Menge Rennaction auf dem Programm. Neben einer Clubsport-Seitenwagen-Klasse war auch eine Quad-Klasse und eine Solo-Klasse am Start. Als weiteres Highlight stand auch in diesem Jahr wieder die MSJ Kids-Sidecarcross-Meisterschaft am Startgatter. Insgesamt 14 Teams gingen hier an den Start und boten den Zuschauern packende Rennen und einen Sieg für das heimische Team Aulbach/Schnack in der Gruppe 2.
Text: Sandro Melchiori, DMV-Sportabteilung
Fotos: FIM WSC, VANDRAQ