Endurance-masters: Schwieriger Saisonstart

Saukalt, aber geil.

Der Wettergott hatte 2018 beim Saisonstart der endurance-masters mit der Quadgemeinde kein Erbarmen. Arktische Kälte war Mitte März ein zweites Mal aus dem Nordosten nach Deutschland eingefallen und die Lausitz nicht nur weiß eingepudert sondern auch mit heftigen Minus-Graden beglückt. Nur die Harten kommen in den Garten, und von denen gab’s wieder mal viele. Das Fahrerlager des Jänschwaldener Motorsport –Zentrums platzte einmal mehr aus allen Nähten.
Eigentlich wollten wir traditionsgemäß schon 14 Tage früher in Boxberg mit der Saison beginnen,“  erzählt Organisator v.der Marwitz vom harzigen Start in die neue Saison. Der veranstaltende Club hatte ein Woche vor dem Rennen die Reißleine gezogen und die Veranstaltung auf der großen, baum- und strauchlosen Düne abgesagt. Der heftige Frost war so tief in den Boden eingedrungen, dass es unmöglich erschien, die Strecke in einen befahrbaren Zustand zu versetzen. Eine Hiobs-Botschaft jagt die nächste: Der MCV Steinitz veranstalte in diesem Jahr keine Rennveranstaltungen, ließ uns die neu gewählte Vorstandschaft kurzfristig wissen. Unser Oster-Event war somit schon Geschichte, bevor der Osterhase überhaupt daran dachte mit seinem Job zu beginnen. „Um mit einer alternativen Lokation den Termin noch halten zu können, war einfach keine Zeit mehr. Die Genehmigungsbehörden winkten unisono ab.“ Wieder einmal kommen uns die Freunde aus Polen zu Hilfe. Am 14.April geht es nun für den 2.Meisteschaftslauf ins schlesische Olszyna: Der neu geschobene, 9 Kilometer lange Rundkurs wird Quad- ATV- und Buggy-Fahrer begeistern.

 
Saukalt. Schon die Erwachsenen litten in Jänschwalde unter den Kühlschrankbedingungen. Besonders hart wurde es allerdings für die Kids und Youngster, deren Start sich auch noch verzögerte. Der Rettungsdienst musste sich erst mal um Verletzte kümmern, bis der Start freigegeben werden konnte. Da nicht absehbar war, wie lange die Verzögerung dauern würde, hatte die Organisation die Mittagspause vorgezogen und eine Verkürzung der Renndistanz angeordnet. „Eine unglückliche Verkettung”, bedauert v.der Marwitz, der sich der Kritik so manches frierenden Elterteils erwehren musste.
Die Kids und Youngster nahmen die Situation allerdings stoisch. Sie wollten wie immer nur eines: Rennen fahren. Und das taten sie dann mit Inbrunst. Wetterbedingt hatten manche Eltern auf den Saisonstart verzichtet. So waren es dann auch gerade mal 7 Kinder, die in 2 Klassen um die Meisterschaft kämpften. Die Klasseneinteilung bei endurance-maters hat sich bewährt. Zwei- und Viertakter streiten in eigenen Klassen um die Punkte. Ben Wolfram, der amtierende Viertakt-König zeigte mit 2 Laufsiegen in der Lausitz eindrucksvoll, dass es auch 2018 schwierig wird, ihn an der Titelverteidigung zu hindern. Mya Kohlrepp wird Zweite vor Stevie Dietrich, alle auf Yamaha YFM 90R.
Bei den Zweitakter sind die letztjährigen Champs altersbedingt zu den Youngstern aufgestiegen: Neue Namen auf dem Siegerpodest: Oliver Kotuc aus der Slowakei holte sich auf einer 65er Kawasaki den Tagessieg. Apex-Pilot Franz Stolle, im vergangenen Jahr noch auf einem Viertakter unterwegs, musste die Führung wenig Runden vor der karierten Flagge abgegeben. Auf Platz 3 kommt die Rennamazone Johanna Burrasch ins Ziel.
Zweimal 30 Minuten, das ist die Aufgabe, die die Youngster bei endurance-masters zu bewältigen haben. Nicht weniger als 24 Kämpfer haben sich in Jänschwalde an der Startlinie versammelt. Yamahas YFM 250R, das ist noch das Sportgerät, das vom Großteil der 10 bis 14 Jährigen benutzt wird. Bei den großen Youngstern kamen erstmals auch leistungsreduzierte 450er zum Einsatz, die in dieser Saison allerdings noch in einer eigenen Klasse gewertet werden. Nur mit Mühe schaffte es der Organisator alle 15 kleinen Youngster in einer Startreihe unterzubringen. Man kämpft mit harten Bandagen, die erste Kurve nach dem Start wird zur Mutprobe. Ennio Kuntze vom Südharzer MSC unterstrich in Jänschwalde mit zwei Laufsiegen seine diesjährigen Titelambitionen. Einfach wird’s nicht werden: Die Stiller-Brüder Luca und Matteo, beide sind noch im vergangenen Jahr bei den Kids unterwegs gewesen, werden Ennio auch in Zukunft nichts schenken. Harte Konkurrenz wird auch von Matti Matschoß und den Becker Zwillingen Fynn und Lilly erwartet.

 
Bei den großen Youngstern nutzt Lennox Quellmalz die Gunst der Stunde und übernimmt mit zwei Laufsiegen die Führung in der Meisterschaft. Die schnellen Fahrer der vergangenen Saison mussten die Klasse wechseln, es findet eine Wachablösung statt. Hinter Lennox klettern Zbynek Bartos und Leon Glöckner mit aufs Siegerpodest.
Spannend die Frage, wie sich die gedrosselten 450ern im direkten Vergleich mit den Viertelliter-Raptoren schlagen werden. Obwohl die Spitzenleistung der YFZ 450R auf 30 PS gedrosselt wurde, sind die hubraumstarken Quads den 250ern noch leicht überlegen. Um allen Diskussionen in diesem ersten Entwicklungsjahr aus dem Wege zu gehen haben wir uns dazu entschlossen, für die 2018 eine eigene Klasse auszuloben und die Entwicklung mit allen 450er Startern weiter zu führen. Niklas Hoppe kann sich in Jänschwalde trotz Feindberührung an die Spitze setzen. Zwei konstante Läufe bringen Emmy Eich auf Platz zwei. Neo Meier beendet einen Lauf vorzeitig und wird deshalb in der Addition der beiden Heats Dritter.  Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Für Olszyna haben sich weitere Fahrer für die neue Youngster-Variante angekündigt.
Alternativen.
Nach ihrem 14.Geburtstag bieten sich für die jungen Racer mehrer Alternativen. Die Rookies fahren bei den „Großen” mit, nach einer Stunde Rennzeit kommt für sie die Zielflagge. Vorjahresmeister Jan Zdercik hat harte Konkurrenz bekommen. Filip Koutecky nimmt den Fehdehandschuh auf, beim Saisonstart sollte es allerdings noch nicht reichen den Landsmann zu besiegen. Auch Wiktor Kuszmiercak, 2017 überlegener Youngster-2-Pilot musste mit einer Träne in den Augen erkennen, dass bei den Rookies ein schärferer Wind weht. Wiktor holt Platz drei und ist zuversichtlich, dass er schon bald den beiden Tschechen Paroli bieten kann. Wo sind die schnellen deutschen Kämpfer geblieben? Ganz einfach, sie haben die Klasse gewechselt und fahren jetzt bei den Teams. Platz drei für Nico Zerbst und Tom Wolfram, Platz vier für die Klotz Brüder Finn und Ole, die Ergebnisse passen. Dass man sich noch nicht mit den Altmeistern Rust / Vogt und During / Jähnchen messen kann, das war absehbar.
Was ist mit den traditionellen endurance-masters 3- und 1,5-Stunden-Klassen? Wie schon in den vergangenen Jahren nutzen die schnellen Piloten aus dem benachbarten Ausland die Deutsche DMV-Cross-Country-Meisterschaft für den Saison-Start unter Wettbewerbsbedingungen. So ist es dann auch keine Überraschung, dass die Quad-Klassen in Jänschwalde von slawisch sprachigen Sportkameraden dominiert wurden. Juraj Varga aus der Slowakei gewinnt die Iron-Man-Klasse bei den Quads, die 1,5-Stunden-Klasse geht an den Polen Artur Szczerbak, bei den Ü40 setzt sich sein Landsmann Slawomir Wilczynski durch.
In den ATV-Kategorien gibt’s dagegen ein deutsches Bild. Andreas Rosenlöcher hat die Iron-Man-Klasse wie schon in der Vergangenheit fest im Griff. Die Teamkollegen Sebastian Döbler und Alex Sorge folgen auf den Ehrenplätzen. Die ATV-Lite-Kategorie wird in Jänschwalde von Jay Gröpl gewonnen. Der Österreicher wünscht sich allerdings, dass sein härtester Konkurrent, der Pole Adam Krysiak, regelmäßig startet. „Nur harte Konkurrenz macht stark”, hofft der Österreicher.
 

Side-X-Sides. Die Side-X-Side-Klasse scheint sich bei endurance-masters endlich zu etablieren. Respektable 14 Teams nehmen in Jänschwalde den Kampf um Meisterschaftspunkte auf. Neu in diesem Jahr die Klassentrennung in Sauger und Turbos. „Es macht überhaupt keinen Spaß und Sinn mit mehr als 100 PS Minderleistung ein Rennen zu bestreiten” freuen sich die Sauger-Teams über die Neuausrichtung.
Ein großes Problem für alle Veranstalter ist die Tatsache, dass nach den Buggies die Strecke eigentlich nicht mehr befahrbar ist. Große Räder und die Übermotorisierung graben tiefe Spuren ins Geläuf. Gab’s bislang nur vor den Kurven ätzende Bremswellen, so ist heute nach kurzer Zeit die ganze Rest-Strecke mit Beschleunigungswellen überzogen, die den Einsatz schweren Straßenbaugeräts erfordert. „Wenn wir nicht aufpassen, dann zerstören wir uns die Fahrmöglichkeiten hier in Mitteleuropa selbst,” berichtet Hans-Georg v.der Marwitz, selbst auf einem Buggy am Start, von den Nöten der Organisation. In Jänschwalde war es möglich den SXS ein Strecke zu präsentieren, die nur wenige Meter mit den Quads- und ATVs gemein hatte.
Die Turbo-Klasse wurde erwartungsgemäß von Andreas Rosenlöcher auf dem RZR beherrscht. Dank Chip-Tuning leistet sein Buggy knapp 250 PS, die in der Hand des Könners unschlagbar vorneweg fahren. SxS-Neuling Uldis Freimanis bringt den fast jungfräulichen Maverick X3 auf Platz zwei ins Ziel. Jürgen Niederhäuser rettet mit abgerissenen Antriebwellen wertvolle Meisterschaftspunkte ins Ziel.
Newcomer Christian Böhnke gewinnt auf einem alten Maverick die Sauger-Kategorie. Platz2 geht an Mario Schütze, der seine Wildcat allerdings einmal im großen Sandloch festgefahren hat. QTO-Team-Kollege Thomas Erfurth wird in Addition der Läufe Dritter.
 
Aber geil. Man habe zwar gefroren, aber trotzdem einen riesigen Spaß gehabt. Am 14.April geht’s weiter. Nicht mehr im Sand sondern auf der superschnellen Strecke von Qlszyna. Die Hoffnung besteht, dass es endlich warm wird und auch trocken bleibt. X
 
Detaillierte Ergebnisse von Jänschwalde gibt’s auf der webseite: http:// endurance-masters.com

Text und Fotos: Endurance-Masters
 


Veröffentlicht am: 06.04.2018 | Kategorie: News Off-Road | Zugriffe: 1097
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