DMV-Präsident Hans-Robert Kreutz stand in einem Interview für das DMV-Mitgliedermagazin DMV INSIDE zu aktuellen Fragen über die Situation des Verbandes und die Zukunftsstrategie Rede und Antwort.
Das Interview erscheint in DMV INSIDE Nr. 4/2010 am 6. August 2010. Hier einige Vorabauszüge aus dem Gespräch.
DMV INSIDE: Sie sind jetzt seit 16 Monaten erster Mann beim DMV. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?
HANS-ROBERT KREUTZ: Ich hatte mir die ersten 16 Monate meiner Präsidentschaft etwas ruhiger vorgestellt. Es gab mehrere Herausforderungen, die in dieser Zeit hinzugekommen sind. Das hat aber die Aufgabe nur interessanter und spannender gemacht und es erfordert meine ganze Konzentration auf dieses Amt.
Was waren das für Herausforderungen?
KREUTZ: Im zweiten Jahr meiner Präsidentschaft kamen Entwicklungen an die Oberfläche, von denen ich bis dahin nichts wusste und die mich und auch das Präsidium des DMV in seinen Grundfesten erschüttert haben.
Es ging dabei um eine finanzielle Schieflage des Verbandes, die man, wenn man sich sehr genau mit der Finanzsituation beschäftigt hätte, schon in 2007 hätte erkennen können oder müssen, von der aber das Präsidium erst im Februar 2010 Kenntnis erhielt. Im Februar war die Situation so, dass das Fortbestehen des DMV über den Herbst dieses Jahres hinaus nicht mehr gewährleistet gewesen wäre, wenn das Präsidium nicht aktiv geworden wäre und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht hätte.
Das heißt, diese Lösungen wurden gefunden und der Verband steht jetzt wieder auf einer soliden wirtschaftlichen Grundlage?
KREUTZ: Eindeutig ja. Allerdings unter der Bedingung, dass dort, wo es möglich ist, gespart wird. Diese Feststellung bitte ich an alle Mandatsträger im DMV als einen Aufruf zum Sparen zu verstehen, jedoch ohne, dass sich der DMV dabei tot sparen soll. Es wird insbesondere keine einschneidenden Sparmaßnahmen im Sportbereich und im weiteren Ausbau des Sportbetriebs geben.
Jeder andere Ausgabenbereich wurde auf den Prüfstand gestellt oder wird es noch. In der Politik wie im Sport gilt: Dies ist eine Zeit des Sparens. Aber ich bin mir sicher, dass der DMV jetzt bald wieder auf gesunden Füßen steht und in Zukunft stehen wird, wenn sich alle an diese Sparvorgaben halten. Natürlich müssen wir gleichzeitig auch noch mehr nach neuen Einnahmequellen suchen!
Wie stellt sich die Zusammenarbeit mit dem viel zitierten „großen Bruder“ ADAC dar und welche Vorteile können Sie Mitgliedern und Sportlern, die sich bewusst für den DMV entschieden haben, vermitteln?
KREUTZ: Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Sie ist festzumachen an bestimmten Personen, am ADAC-Sportpräsidenten Hermann Tomczyk, am Vizepräsidenten für Motorradsport im DMSB, Wolfgang Glas, und am ADAC-Sportdirektor Andreas Meyer. Auf Seiten des DMV legt der ADAC großen Wert auf die Zusammenarbeit mit unserem Sportpräsidenten Manfred Schulte und mit meiner Person. Mein Eindruck ist, dass beide Parteien sich gegenseitig achten und in Zukunft – zum Wohle des Sports - noch mehr Synergien erzeugen werden.
Bedeutet das, dass Befürchtungen besorgter Mitglieder, der DMV könne eines nicht fernen Tages vom ADAC übernommen oder aufgeschluckt werden, ohne Grundlage sind?
KREUTZ: Richtig, sie sind ohne Grundlage. Deshalb, weil dem ADAC an einem starken, gut funktionierenden DMV gelegen ist. Der Grund dafür ist, dass der ADAC den Motorsport in Deutschland nicht allein organisieren und verwalten will, sondern überzeugt ist, dass eine gesunde Konkurrenzsituation, die in der Zusammenarbeit im übergeordneten DMSB mündet, für den Motorsport in Deutschland befruchtend wirkt.
Man könnte es auch so zusammenfassen: Der deutsche Motorsport braucht einen starken DMV.
Welche langfristige Zukunftsstrategie verfolgt der DMV unter der Präsidentschaft von Hans-Robert Kreutz?
KREUTZ: Die Strategie für die Zukunft heißt, sich noch mehr auf unsere Stärken zu besinnen. Hier möchte ich exemplarisch die DMV Touring Car Championship, die DMV Kart Championship, unsere Veranstalter in der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring, den Tourensport, die DMV Rundstrecken Championship oder den DMV MX Ladies Cup, den Eisspeedwaysport, Trial, Motorradbiathlon sowie unsere einzigartige, beispiellose Jugendarbeit in der MSJ nennen. Gleichzeitig müssen wir neue Sportarten akquirieren und fördern, die sich zugegebenermaßen häufig im Nischenbereich abspielen. Aber wir müssen uns auch wieder auf alte Stärken besinnen, wie zum Beispiel auf den Bahnsport.










